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Freitag, 19. Juni 2015

ZehnGrammFilme - #5 Jurassic World

Was zur Hölle ist die Faszination von Dinosaurier? Ich meine,  ich weiß um die glühende Anziehungskraft von allem was in irgendeiner Art alt oder vintage ist. Aber reicht Nostalgie mittlerweile auch bis in die Zeit von T-Rex & Co zurück? Oder ist es doch einfach die unnachahmliche Arroganz, die wir bei dem Gedanken verspüren, dass wir noch leben und diese ach so bösen Tierchen nicht mehr? Was es am Ende auch ist, es verhalf Jurassic World schon jetzt dazu in die riesigen Fußstapfen (pun intended) von Spielbergs Original aus den 90ern zu treten ... zumindest finanziell gesehen.





Spricht man aber von der Qualität so sieht das schon ein wenig anders aus. Ja prinzipiell durchlebt der gemeine Kinobesucher sogar mehrere Deja-vu’s beim Anblick von Jurassic World: Zwei Kinder besuchen eine prähistorische Attraktion, in der Dinosaurier gentechnisch neu geschaffen wurden. Natürlich passiert das unausweichliche. Ein besonders böser, böser, böser Dino reißt aus, die Kinder verlaufen sich im Dschungel und rennen dabei um ihr Leben. Ein Familienmitglied, ein total cooler, kompetenter Dino-Flüsterer und der besessene Parkbetreiber und Erfinder eilen zur Hilfe. Dazu noch einen angemessen, übergewichtigen Bösewicht und schon wird wieder munter mit der Moralkeule um sich geschlagen. Wenn euch das bekommt vorkommt, dann könnt ihr euch wahrscheinlich denken, dass der Film nicht vor Überraschungen  strotzen wird. Eines muss man dem 4. Teil der Reihe aber lassen. Der „Nervfaktor“ der Kinder hält sich dieses Mal zum Glück in Grenzen. 

Subtrahiert man aber die Grundstory so bleibt am Ende ein actionreiches CGI-Feuerwerk mit einigen sehr netten Easter Eggs und Anspielungen auf Spielbergs Meisterwerk. Und recht viel mehr will dieser Film auch nicht sein. Er dient dem Original als Hommage ohne es zu persiflieren und spinnt die Geschichte im angemessenen Maße weiter. Die Schauspieler, allen voran Chris Pratt, überzeugen in ihren doch eher eindimensionalen Rollen und sorgen für den ein oder anderen Lacher. 






Im Großen und Ganzen also ein Runde Sache, der es aber an Charme fehlt. Und das liegt vor allem an den übertriebenen Animationen der Tiere. Schaffte es Spielberg noch zum Großteil mit mechatronischen Repliken und ohne Special Effects den Urtieren Leben einzuhauchen wirken hier die meisten Dinosaurier unwirklich, billig und viel zu vermenschlicht. Ein Problem, dass heutzutage aber leider nicht allzu selten vorkommt. Ich frage mich immer, wieso trotz des technologischen Fortschrittes die Animationen teilweise früher realistischer aussahen als heute? Da dies aber wieder ein anderes Thema ist, will ich an dieser Stelle nur auf folgenden Artikel verweisen, der dieser Frage sehr anschaulich am Beispiel von Jurassic World auf den Grund geht:

http://www.cracked.com/blog/6-reasons-expensive-films-end-up-with-crappy-special-effects/

Jurrasic World ist aber all seiner Schwächen zum Trotz doch immer noch ein Popcorn-Blockbuster vom feinsten und damit universell ansprechend egal ob für Männlein oder Weiblein oder ob für Alt oder für Jung. Mein Tipp also: Hirn ausschalten und die Logik im Parkhaus stehen lassen. Und vielleicht ist das ja die Antwort auf die Frage nach der Faszination: Die Unwirklichkeit, das Unfassbare und das Unvorstellbare. Schließlich war ich als Kind auch besessen von Langhälsen und Triceratopsen, als ich meine Logik noch irgendwo in der Kiste zwischen Lego und Gummibären versteckte. Also passt auf, vielleicht weckt Jurassic World ja wieder das Kind in Euch.


6 von 10 g Zucker

Sonntag, 22. März 2015

ZehnGrammFilme - #4 Insurgent

Spricht man von der Divergent Buch- und Filmreihe so kommt man nicht umher diese mit dem Hunger Games Franchise zu vergleichen. Beide erzählen die Geschichte einer jungen weiblichen Protagonistin in einem dystopischen, postmodernen Amerika, welche in drei Teilen gegen das zusammenbrechende Regime ankämpft. Und Hollywood wäre nicht Hollywood wenn sie diese Geschichten nicht verfilmen und die jeweils letzten Bücher nicht in 2 Teile aufspalten würden. So weit so profitgeil. Nur blöd für Divergent, dass Hunger Games einen solch großen, populären und kommerziellen Erfolg vorgelegt hat und nicht nur das, sondern diesen mit dem 2. Film Catching Fire auch noch übertroffen hat. Es gelang den Machern also das fast Unwahrscheinliche, indem die Fortsetzungen besser war als das Original. 




Insurgent schickt sich in diesem ungleichen Duell nun an, in die Fußstapfen der großen Schwester zu treten. Dass die Grundprämisse durchweg anders ist liegt auf der Hand. Der erste Teil „Divergent“ war sowohl erzählerisch als auch schauspielerisch etwas mau, kam über reines Popcorn Kino nicht hinaus wusste aber zumindest zu unterhalten. Insurgent setzt nun da an, wo Divergent aufhörte. Tris floh zusammen mit ihrem Love Interest Four, ihrem Bruder Ansel und dem Ferox-Kollegen Peter außerhalb der Zäune des futuristischen Chicagos. Die Ken, unter der Führung von Jeanine, haben mittweile die Stadt übernommen und die Einwohner gegen die Ferox verschworen. Tris plant nun ob ihrer inneren Zerrissenheit die Rache für den Tod ihrer Eltern und die Befreiung der Stadt. Für alle, die jetzt kein Wort verstanden haben: Dieses Wissen ist Grundvorrausetzung für das Grundverständnis. 




Und auch wenn diese Handlung nicht besonderes kreativ klingt, funktioniert sie im Film doch um einiges besser als noch im ersten Teil. Die Drehbuchautoren hängen sich nicht lange an irgendwelchen Floskeln auf und wechseln relativ flott die Standorte der Charaktere, sodass nur selten Zeit zum Durchatmen bleibt. Am faszinierendsten ist jedoch, dass der Film eine durchaus ungewöhnliche Eigenschaft für Sequels aufweist: Er ist in sich abgeschlossen. Ja man könnte sogar vermuten es wäre das Ende der Geschichte und es wäre sogar ein Gutes. Nun wissen wir, dass es nicht so ist, aber ich begrüße diesen Schritt auf Höchste und wage sogar zu behaupten, dass dies die beste Eigenschaft des Filmes ist. Am Ende sitzt man mit offenen Mündern im Kino, wurde zwei Stunden exzellenter Unterhaltung ausgesetzt und zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. Einzig die schauspielerische der Jungdarsteller fällt gegenüber Größen wie Naomi Watts und Kate Winslet deutlich ab, ganz zu schweigen vom völlig unnötigen 3D, welches nur in ein oder zwei Szenen etwas mehr Tiefe in das Geschehen brachte. 

Und da haben wir wohl auch schon das große Manko der Divergent Serie. Während Jennifer Lawrence eine exzellente Heldin und Ikone abgibt und diese auch noch in all ihren Facetten widergeben kann, bleibt Shailene Woodley als Tris etwas blass. Der Charakter ist eindimensional aber letztendlich ordentlich gespielt. Die gute Drehbuchumsetzung sowie die imposanten Simulations- und Actionsequenzen werten die Filmreihe im Vergleich zum Vorgänger deutlich auf. Somit kann ich diesen Film nur allen wärmstens empfehlen, die Gefallen an der Story und den Figuren gefallen haben und vergebe somit ...


8 von 10 g Zucker

Samstag, 28. Februar 2015

ZehnGrammFilme - #3 Watchmen

God knows ich bin nicht der größte Fan von Comic Verfilmungen. Warum erklärt sich für mich darin, dass die fehlenden Charakterentwicklungen und die Storys nach dem Schema F mir keinen Mehrwert bieten. Dass es in den letzten Jahren in dieser Branche auch einen Umbruch gab, ist gleichzeitig nicht von der Hand zu weisen, allen voran Christopher Nolans famose Batman Trilogie. Man denke aber nur zurück an die Spider Man Filme mit Tobey Maguire und dem konfettibunten, aufgedunsenen und überladenen CGI Spektakel, welches heute in dieser Form nicht mehr funktionieren würde.

 Und hier kommt Watchmen ins Spiel. Aufgrund guter Kritiken habe ich mir damals im Jahre 2010 den Film gekauft (übringens meine allererste Blu-Ray), ihn aber bis heute nicht angeschaut, aus den eben erläuterten Gründen. Bis jetzt!




 Ich wusste prinzipiell nichts über den Film, weder über den Cast, noch über die Story noch über die zu Grunde liegende Comic Vorlage. Prinzipiell geht es um eine Gruppe von Superhelden, welche nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde, und sich seitdem um den reibungslosen Verlauf der amerikanischen Geschichte kümmert. Der Film setzt dann ein, als die Watchmen schon auseinandergebrochen sind, und als die so grundverschiedenen Superhelden aus  den unterschiedlichsten Gründen ihr eigenes Leben führen (wollen), bis der Kalte Krieg zwischen den USA und den UDSSR zu eskalieren droht.

 Was mich an einem klassischen Superhelden-Film nervt, ist die langwierige Einleitung und Präsentation des Helden bzw. des Antagonisten. Wie wurde er zu dem was er jetzt ist? Welche Motive hat er? Warum entscheidet er sich den Menschen zu helfen? All diese langweiligen Fragen, die schon tausend Mal erklärt wurden. Watchmen  hingegen geht glücklicherweise nicht direkt auf diese Fragen ein. Zwar werden die Herkünfte der einzelnen Helden nach und nach  vorgestellt, jedoch in so unaufdringlicher Art und Weise, dass es gar nicht auffällt. Der Gegner selber ist anfangs nicht das personifizierte Böse sondern der drohende atomare Krieg.




 Rein storytechnisch weiß Watchmen also schon mal zu überzeugen. Auch wenn man sich oftmals das Stirnrunzeln nicht verkneifen kann, findet man hier eine durchaus ungewöhnliche Herangehensweise gespickt mit den für Action-Filme üblichen One-Linern.  So weit so gut.

 Die Special Effects sind dagegen auf durchschnittlichen Niveau. Das ist zwar nicht schlimm, prinzipiell hätte ich mir aber doch ein optisches Feuerwerk erhofft, das an den wichtigsten Stellen jedoch ausbleibt. Löblich ist außerdem die Besetzung der Charaktere mit fast komplett unbekannten Schauspielern, welche neuen Wind in das überproportionale Type-Casting des Comic-Genres bringt. Alles in allen also ein Film, den man sich auch als Comicphobiker und Actionliebhaber durchaus anschauen kann und sollte. Die einzigen Knackpunkte sind die lange Laufzeit und die schauspielerischen Schwächen hi und da. Trotzdem ist Watchmen aber ein gelungener Blick über den cineastischen Horizont in einem sonst fast schon ausgelutschtem Genre.


7 von 10 g Zucker


Dienstag, 24. Februar 2015

ZehnGrammFilme - #Oscars2015 Rückblick

Zwar mit einem Tag Verspätung, aber besser als nie, gibt es hier meine Einschätzung zu den Oscars von Sonntag. 

Wir leben eigentlich schon in einer erstaunlichen Zeit. Eine Welt in der so Vieles möglich ist, in der so viele Meinungen akzeptiert sind, so dass es schon wieder unmöglich wird, alle Meinung zu rechtfertigen bzw. diese auch mal zu übergehen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Die Oscars sind und bleiben ein Award - Verleihung. Meinungen, Menschen und schlussendlich auch Filme werden übergangen ... zu Gunsten von anderen. Deal with it! 


So! Das mal zur Einleitung. 

Die Show an sich war zugleich spannend aufgrund der Grundvorraussetzungen. Schon lange waren nicht mehr so viele Kategorien offen, wie in diesem Jahr. Gleichzeitig war die Umsetzung tröge. An dieser Stelle will ich auch gleich ein Bresche für Neil Patrick Harris schlagen, der zweifelsohne nicht seinen besten Tag hatte, aber auch die unmögliche Aufgabe hatte, eine (für so ein Großformat) unglaublich stümperhafte Produktion und ein miserabel geschriebenes Drehbuch in dieser Show zu retten. Die Frage stellt sich eh schon seit nunmehr 3 Jahren, wie man diese Produzenten immer wieder aufs neue engagieren kann. Dass eine extravagante, atemberaubende und unterhaltende Show möglich ist, zeigte man nicht zuletzt bei den Tony Awards 2013! Go, Neil, Go! 



Und da haben wir auch schon den Salat. Im Gegensatz zu den Tonys, die sich schon von Berufswegen her sehr gerne selbst inszenieren, oder den Golden Globes, bei denen sich die Prominenz selber feierlich veräppelt, hat die Academy einen unglaublichen - und tut mir leid für diesen unsachlichen Ausdruck - Stock im Arsch. 

Keiner dort will sich auch nur den kleinsten Fauxpas leisten, geschweige denn aus der Masse heraustreten. Naja ... alle, außer John Travolta, der zum 2. Mal in Folge für unfreiwillige Komik sorgte. 
Prägend für diesen Umstand ist die Performance und die Wahl des Besten Songs: Glory, aus dem Film Selma. Ein Biopic über Martin Luther King. Eine Art Trostpreis und Wiedergutmachung für die angebliche Vernachlässigung sämtlicher Randgruppe. Da wurde dann auch schon die ein oder andere Träne repräsentativ in die Kamera gehalten, allen voran von Oprah Winfrey. Aber auch die Frauen durften bei der Dankesrede von Patricia Arquette ihre Rechte in Szene setzen, ebenso wie die Gay Community durch die zugegeben sehr gute Ansprache von Graham Moore, nach seinem Gewinn für das beste Drehbuch. 



Natürlich gehört sowas gesagt, und schon alleine für Meryl Streeps ekstatisch Reaktion war Arquettes Ansprache wert gehört zu werden. Aber wieso muss bei einer Preisverleihung zwanghaft ein Momentum kreiert werden, als schwebe ein riesiges Damoklesschwert in Form eines Heiligenscheins über den Riegen des Dolby Theatres? 

Nur keine Fehler machen! Nur keine Randgruppen vernachlässigen und nur keine schwer verdaulichen Witze auf Kosten anderer. Gemütlichkeit siegt. Leider oftmals auch bei den Preisen, um die es ja hauptsächlich gehen sollte. Glücklicherweise entspricht die Gemütlichkeit dieses Jahr tatsächlich sogar der Qualität. 
Birdman, The Grand Budapest Hotel und Whiplash gehen als große Gewinner des Abends total in Ordnung und überzeugen durch künstlerischen Anspruch, Unterhaltung und Ungezwungenheit - ausgezeichnet eben für die Qualität und nicht für die Politik. 

Liebe Acadamy, nehmt euch an euch selbst ein Beispiel und nehmt diese Einstellung mit in die Zukunft. Eine Prise Lockerheit würde der Filmindustrie nicht schaden. 

Samstag, 21. Februar 2015

ZehnGrammFilme - #2 Boyhood

Es ist schon ein gewagtes Experiment was Richard Linklater da durchgeführt hat. Im ach so schnelllebigen, erfolgsgeilen und mächtigem Hollywood scheint für Projekte, wie es Boyhood nun einmal repräsentiert, kein Platz zu sein. Ein Film, der über den Zeitraum von 12 Jahren gedreht wurde: Jedes Jahr ein Stückchen mehr - jedes Mal ein Stückchen mehr Filmgeschichte. In Zeiten in denen also z.B. das Marvel Cinemativ Universe rigoros 15 Jahre im Vorlauf geplant wird hat sich Richard Linklater Schauspieler geschnappt und einfach mal angefangen zu drehen. Eine Geschichte über einen Jungen, seine Jugend und seine Familie. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 Mit seinem Konzept, oder eher seinem fehlenden Konzept hat Linklater vermutlich seine Produzenten zur Weißglut getrieben, hat er doch die Drehbücher immer erst dann geschrieben, als die Szenen davor schon im Kasten und fertig geschnitten waren.
Und jetzt kommt das Faszinierende: Als Zuschauer merkt man davon rein gar nichts. Die einzelnen Szenen verschwimmen ineinander, Zeitsprünge sind so fließend dass die knapp 3 Stunden wie im Flug vergehen und man das Altern der Schauspieler nur an den wechselnden Frisuren erkennt.




 So verfolgt man also die Kindheit des jungen (...), seiner Schwester und seiner allein erziehenden Mutter (grandios gespielt von Patricia Arquette) im Zeitraffer, sieht ihnen beim Altern zu, verfällt ins Schwelgen und in Nostalgie, und begreift trotzdem nicht, dass das NICHT einfach nur geniales Make up ist und NICHT an einem Stück gedreht wurde.
Versteht mich nicht falsch, es ist ein Gimmick bzw. eine Idee, aber auch nicht mehr als das. Es ist nicht das was den Film ausmacht, sondern eher das, was die cineastische Grundhandlung unterstreicht.

 Der Film handelt primär von ganz normalen Menschen, wie du und ich, mit Ecken und Kanten, mit ersten Beziehungen und Joints und ein Hauch Leben, gespickt mit authentisch eingesetzten popkulturellen Anspielungen, angefangen bei der Dragonball Z Bettwäsche, über den genialen Soundtrack bis hin zur PrObama Kampagne ... in Texas! Und schon alleine diese Authentizität macht diesen Film zu dem Meisterwerk und dem Sehvergnügen, welches er ist.

 Natürlich kann man die etwas schwache Handlung kritisieren oder die einsilbige Aussage des Filmes, aber wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Und ein pathetischer Schluss mit Feuerwerk wäre dem Film nicht treu gewesen. Am Ende ist Boyhood eine Art Fernsehserie mit 12 Staffeln abendfüllend reduziert.
 Und dafür gibt es von mir ...


 9 von 10 g Zucker
   

Mittwoch, 18. Februar 2015

ZehnGrammFilme - #Oscars2015 Gedanken

Ist da etwa ein Wandel zu spüren? Weicht die störrische Fassade der Zigarren rauchenden Gesellschaft der Academy of Motion Picture Arts and Science auf? Oder wird es wieder nur der übliche Einheitsbrei aus Glitzerroben, Tränen, Tanznummern und „First of all, I have to thank God!“? Wahrscheinlich ist die Wahrheit irgendwo dazwischen, aber genau deswegen liebe ich die Oscar Season!


(Quelle: oscars.org)

 Kommen wir zum Einheitsbrei: Julianne Moore wird als beste Schauspielerin ausgezeichnet, Patricia Arquette als beste Nebendarstellerin und J.K. Simmons als bester Nebendarsteller. Soweit so langweilig. Daran wird sich nichts mehr ändern.

 Und trotzdem ist dieses Jahr wohl richtig spannend. Heiße Anwärter auf den Hauptpreis sind nämlich Boyhood und Birdman. Es heißt also: 12 Jahre Filmeexperiment vs. One-Shot Filmexperiment. Zwei Filme also die durch ihre Kreativität überzeugen und durchaus aus der Riege der „Besten Filme“ herausstechen werden.
 Während Boyhood schon früh die Pole Position übernahm, holte Birdman kontinuierlich auf, indem er sämtliche wichtigen Branchenpreise absahnte. Das Verrückte dabei ist, dass Michael Keaton, Hauptdarsteller in Birdman, aber genauso kontinuierlich Buzz an Eddie Redmayne als Stephen Hawking verlor. Und trotzdem gilt Boyhood wider aller Statistiken noch immer als Favorit.

 Was wird also am Sonntag passieren? Gewinnt Boyhood für den Film und Regie? Oder doch Birdman getreu dem Oscargesetz? Oder Linklater für die Regie? Oder doch Inarritu? Wir werden es sehen. Verdient hätten es beide Filme, auch wenn ich persönlich doch ein bisschen mehr zu Birdman tendiere.





 So. Und wahrscheinlich wird sich die Hälfte meiner Leser jetzt denken: Was zur Hölle redet der da eigentlich? Und zugegeben, die diesjährigen Oscars können nicht mit Publikumsmagneten a la Gravity auftrumpfen. Wer aber ein bisschen hinter die Kulissen blicken will, dem sei gesagt, dieses Jahr ist wohl abseits der Schauspielkategorien so spannend wie schon lange nicht mehr. Ich werde also einschalten, und sei es nur um Eddie Redmaynes Gesicht zu sehen, wenn doch Michael Keaton seine verdiente Statue bekommt. Oder aber wenn The Grand Budapest Hotel abräumt ... Oder Birdman leer ausgeht ... oder Selma und The Lego Movie sich um den Trostpreis (Bester Song) krabbeln ... oder ... oder ... oder ...


Samstag, 14. Februar 2015

ZehnGrammFilme - #1 Birdman

Riggan Thomson ist ein gealterter Schauspieler, dessen bekannteste Rolle vor langer Zeit die des Superhelden Birdman war, und der nun versucht seine Karriere mit einer Neuauflage eines Bühnenstückes am Broadway wieder in Schwung zu bringen. 

Gespielt wird Thomson von Michael Keaton, ein gealterter Schauspieler, dessen bekannteste Rolle vor langer Zeit die des Superhelden Batman war, und der nun versucht seine Karriere mit einem Hollywood Drama wieder in Schwung zu bringen. 

!!! ACHTUNG META - EBENE !!! 






Und das Beste ist: Es funktioniert! Es stimmt! Es überzeugt! 

Birdman ist feinstes Arthouse Kino, das nicht als solches wahrgenommen werden muss. Alejandro González Iñárritu ist bekannt für seine experimentelle Regiearbeiten, hat er dies doch schon in Filmen wie Babel oder 21 Gramm bewiesen. Aber Birdman ist anders. Dieser Film überzeugt hauptsächlich mit seinem Drehbuch, welches nicht nur die Hollywoodszene gekonnt auf die Schippe nimmt und dadurch jede Menge Ironie beweist, sondern auch die psychologischen Abgründe sämtlicher Hauptcharaktere freilegt. Und dann ist da noch diese Kameraführung. Diese oftmals als reines Gimmick abgegoltene One-Shot-Optik vom Meister himself Emmanuel Lubezki, die den Schauspielern alles abverlangt, allen voran Keaton, Stone und Norton. 

Als Zuschauer wird man so in das Bühnengeschehen miteingesogen, ja manchmal meine man sogar man verfolge ein reines Theaterstück. Zeit zum Durchatmen bleibt da nicht, auch nicht am Schluss, welcher Manchen wohl ratlos zurücklassen wird. 

Aber Hey, mir gefällt's! Und außerdem hab ich gelacht ... viel ... und mitgelitten ... und am Ende dann doch wieder gelacht! Und deswegen gibt es hier an dieser Stelle für den vielleicht besten Film des Jahres ...


10 von 10 g Zucker