Posts mit dem Label ZehnGrammLeben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ZehnGrammLeben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 27. April 2015

ZehnGrammLeben - #9 Avengers: Age of Ungeduld

Eigentlich wollte ich hier an dieser Stelle eine Filmrezension schreiben zu dem Film The Avengers: Age of Ultron. Ein fulminantes Action-Potpourri mit richtig gut aufgelegtem Cast und für einem 150 min Superheldenfilm auch erstaunlich wenig Leerlaufzeit. Eigentlich! Am Sonntag Abend um ca. 19 Uhr änderte ich aber dann meine Meinung und das, obwohl ich den Film noch nicht mal gesehen habe. Es fällt mir nämlich was viel Essentielleres wie Schuppen von den Augen, was ich nun mit euch teilen möchte. 

Es geht schlicht und einfach um die mediale Ungeduld in unseren Köpfen und wie sie den Kinobesuch zerstört hat. Menschen können dank des großen, weiten Internets alles zu jeder Zeit abrufen, gleichbedeutend mit der unmittelbaren Gefahr, dass das Internet alles und jeden für dich abruft, bevor du es überhaupt willst. Sprich: Spoiler! Und nicht nur das. Die Halbwertszeit eines Filmes scheint enorm gestiegen zu sein, reziprok mit dem Verlust einer Aufmerksamkeitsspanne. Warum ist es uns so wichtig geworden einen Film schon in der ersten Woche zu sehen und nicht erst 3 Wochen später? Wieso müssen wir uns überhaupt Sitzplätze im Kino reservieren, wenn wir sie doch nicht abholen? Und wieso will ich eigentlich hinten in der Loge sitzen, auch wenn ich dort viel zu weit weg bin vom Geschehen und 16€ für einen 3D-Film mit Überlänge bezahle? 





Ganz einfach, wir haben alle Angst etwas zu verpassen. Wir fürchten uns so sehr davor, nicht das Beste vom Besten zu bekommen, und das natürlich als Erster, sodass wir unsere Aufmerksamkeit nach nur wenigen Wochen schon wieder dem nächsten Spektakel zuwenden. Oder würdet ihr heute noch in Fast & Furious 7 gehen? Wehmütig denk ich an die Zeiten zurück, als man Zuhause noch gegrübelt hat, wie viel vor Einlass man denn am besten dort sein sollte, um noch Karten zu bekommen, und ob der Film überhaupt so beliebt ist. Ja schon fast sehnsüchtig wünsche ich mir die Zeiten zurück, als man gerne noch 1-2 Wochen gewartet hat, um in Ruhe den Film schauen zu können. Aber dies ist wohl so unwahrscheinlich wie die Kinowerbung ohne „Will jemand ein Eis?“. 





Es heißt immer: Kino ist tot! Wenn ich mir aber am Wochenende das Mathäser in München anschaue – das größte Kino in der bayrischen Hauptstadt – dann ist das Kino alles andere als tot - im Gegenteil. Vor den Sälen herrscht ein Krieg um das größte Popcorn, um den besten Sitz und um das größte cineastische Wissen, der seine Toten erst noch fordern wird. Ein Krieg, den selbst die Avengers nicht verhindern können, mögen sie auch noch so stark sein und der Film noch so gut sein.

Sonntag, 19. April 2015

ZehnGrammLeben - #8 Die verlorene halbe Stunde

Es ist Samstagabend, die Chips-Tüte liegt bereit, das Bier ist kaltgestellt und um 20:15 Uhr läuft ein Film im Fernsehen den ich schon immer mal anschauen wollte. Ich springe also schnell unter die Dusche, versinke danach kurz in den endlosen Weiten von YouTube und danach gönne ich mir ein richtiges, hausgemachtes Schnitzel. Als dann meine fertige Mahlzeit vor mir auf dem Couchtisch steht, ich in der einen Hand mein Bier und in der anderen die Fernbedienung halte, ist es bereits 20:45 Uhr und der Film hat längst begonnen. Und schon hab ich keinen Bock mehr auf ihn und verlaufe mich ein weiteres Mal in den endlosen Weiten von YouTube. Wieder einmal wurde ich Opfer der verlorenen halben Stunde. 




Gefühlt seit ich mein Abitur gemacht habe, habe ich das unsägliche Gefühl, dass mir eine halbe Stunde meines Lebens irgendwo zwischen dem Stau auf dem Weg zum Zivi und der verpassten Vorlesung um 8:15 Uhr abhanden gekommen ist. Eine halbe Stunde die mich fortan immer genau dann in Stress versetzt, wenn ich eigentlich pünktlich irgendwo sein müsste. Meistens schaffe ich das auch, aber wie fantastisch wäre es, wenn mir diese 30 min tatsächlich gehörten und ich endlich den Freiraum für Entspannung selbst einplanen könnte.
Jetzt stellen sich für mich zwei Fragen. Erstens: Wo und wann habe ich diese halbe Stunde verloren, gleichbedeutend mit der Frage, ob ich sie irgendwo wieder finden kann? Und Zweitens: Geht es anderen Menschen auch so? 






Nun, die erste Frage lässt sich nur schwer beantworten, habe ich doch schon viel zu oft meine Zeit mit Banalitäten verplempert obwohl ich wusste, dass mir die Zeit dazu fehlt. Aber diese Ereignisse scheinen sich nicht zu kumulieren, es ist und bleibt nur eine halbe Stunde. Reichte also tatsächlich eine einmalige Verspätung, welche so in meinem Schicksal nicht eingeplant war und dadurch alle weiteren Termine nach hinten verschiebt? So ganz nach dem Motto „Final Destination“ nur eben nicht mit dem Tod als Hauptdarsteller sondern der Zeit? Heißt das nun auch, dass ich dem Ganzen sowieso nicht entfliehen kann, oder sollte ich morgen einfach nur eine halbe Stunde früher aufstehen, und alles ist wieder gut? Nein, das funktioniert so nicht. Glaubt mir, ich habe es versucht. Vielleicht gehört dieser leicht latente minimale Stress auch einfach zur heutigen Gesellschaft dazu. 






Und dies bringt mich zur zweiten Frage. Geht es noch irgendjemand anderen auf der Welt so wie mir? Sind meine 30 Minuten vllt. für jemand anderen sogar 42 Minuten? Oder hat jeder Mensch auf der Welt diese verlorene halbe Stunde, wodurch sich das Gefüge wieder egalisiert? Ich weiß es nicht! Letztendlich habe ich gelernt mich damit zu arrangieren. Solange es nur 30 Minuten sind und nicht 30 Stunden, lebe ich zumindest noch heute und nicht vorgestern, und das reicht mir schließlich vorerst aus. Den Film kann ich mir schließlich ja auch noch irgendwann auf DVD kaufen.

Montag, 13. April 2015

ZehnGrammLeben - #7 München - Tag & Nacht

Ach liebe Münchner, der folgende Text könnte eure Schickeria-Runde deutlich empören, und vielleicht sogar das Botox aus euren Adern spritzen lassen. Frei nach einem Zitat von Wir sind Helden: „Das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten!“, scheint es nämlich, als versinke die bayrische Landeshauptstadt in ihrer unentschlossenen Sinnlosigkeit. Harte Worte, die ich als Provinzbayer da um mich werfe. Doch lässt sich dies leicht begründen. 

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass München - bzw. seine Party-Szene – nicht mehr so Recht weiß, wohin sie sich entwickeln soll. Auf der einen Seite wäre man gerne so hip wie Hamburg mit der Diversität von Berlin, auf der anderen Seite sind die P1-Stammgäste doch irgendwie total stolz auf ihr schlechtes Champagner-Image, das sie sich über Jahrzehnte aufgebaut haben. Clubs, Bars und sonstige Institutionen, welche irgendwo dazwischen und damit vielleicht genau richtig liegen werden verschluckt. Zu spüren bekommt man das dann der junge Student, der doch eigentlich einfach nur ein Bierchen trinken gehen wollte. 




Ein paar Beispiele: Ich wollte mit ein paar Freunden in meine Lieblingsbar, das Barer47 auf einen Absacker, nur kamen wir nicht rein. Begründung war, es rentiere sich nicht mehr. Wohlgemerkt es ist gerade mal 1 Uhr. Selbe Bar, anderer Abend und wir kommen rein ... aber auch nur für 1 Stunde, denn danach ist die komplette Bar für einen Geburtstag reserviert. WELCHER STUDENT zur Hölle reserviert eine GANZE Bar? Aber nun gut ... wieder anderer Abend, ein Samstag, und ich will mit ein paar Freunden feiern gehen und wir entscheiden uns für meinen Lieblingsclub: Club Sauna. Schließlich haben sie groß Werbung dafür gemacht, dass sie ihren 3-jährigen Geburtstag feiern. Nur blöd, dass man erst vom Türsteher erfährt, dass man Stammgast sein muss um da mitfeiern zu dürfen. Wie man Stammgast wird, konnten mir die netten Herren leider nicht verraten. Wir gingen also weiter. Unser nächstes Ziel war schon anvisiert. Auch dort kamen wir nicht rein, schließlich sei dort heute geschlossene Gesellschaft ... nur für Griechen. Ja ... an dieser Stelle erspare ich mich einen flachen Witz über die Europäische Fiskalpolitik und komme gleich zum Punkt. 




Fakt ist, es war Samstag und wir wussten nicht wohin wir gehen sollten. Ins 089? In die Milchbar? Oder gleich raus ins Willenlos? Nur um dann vor Ort das Blut einer Jungfrau opfern zu müssen um irgendwo reinzukommen und dann 3,50€ zu zahlen für 0,5 l Bier. Das klingt natürlich so hätte ich keine Alternativen, so ist es natürlich nicht. Aber wo bleibt der Spaß, wenn ich als einziger auf der Tanzfläche stehe und neben mir die leicht bekleideten Mädels ihre Beine übereinander schlagend in die Luft starren, während ihre Freunde mit dem Handy auf 9Gag surfen? 

Natürlich gibt es auch tolle Locations, die dem oberbayrischen Verfall entkommen konnten, wie z.B. das Café Kosmos, das Labor, das Beverly Kills, das X-cess oder das Atomic Café. Aber wer garantiert mir denn, dass es nicht wie Letzteres einfach mal durch einen Lacost-Laden ersetzt wird, während die Monotonie bleibt? Eben niemand. Also liebe Münchner: Feiert doch das nächste Mal eure Sweet 16 Party daheim, niemand wird euch für ein Wochenende vermissen. Der Provinzbayer will auch mal seinen Spaß.  

Freitag, 20. März 2015

ZehnGrammLeben - #6 Rocky Horror Show


Donnerstag, 19. März 2015 um ca. 21 Uhr. Über mich regnet es gerade Konfetti. Mein Herz pocht ob der Verschmelzung aus Licht und Akustik. Der Mann vor mir hat ein schwarzes Sacko an, zumindest vermute ich das hinter den bunten Papierschnipseln. Ich schau auf meinen Füßen hinab und von dem tiefroten Samtteppich des Deutschen Theaters in München ist kaum mehr etwas zu erkennen. Stattdessen zieren ein Hut aus Zeitungspapier, Toilettenpapier und eben ein Meer aus Konfetti den Boden. Dies alles kann nur eines bedeuten: Ich befinde mich gerade in der Rocky Horror Show! Mittendrin statt nur dabei. Erst einmal aber die Sitze verlassen, Füße vertreten und Konfetti abschütteln. Unsere Nachbarn schauen uns mit einem schelmischen Grinsen an und loben uns mit voller Bewunderung: „Ganz schön gut ausgerüstet!“. Und dabei ahnen Sie nicht, was noch in der 2. Hälfte auf sie zukommen wird bei dieser ach so wunderbar verrückten Bühnenshow über Horror, Menschenversuche, Nazis und Transvestiten. 





Ich bin weiß Gott kein großer Fan von Musicals. Diese Überinszenierung aus Glitzerkostümen, endlosen Sologesangspassagen, Pathos und Stummfilm-Gedächtnis-Gestiken überreizen oftmals nicht nur meine sämtlichen Sinne sondern auch meine Geduld. Wieso zur Hölle redet ihr nicht einfach miteinander anstatt zu singen? Dass dieses Denken überaus naiv ist, gebe ich gerne zu. Schließlich wurde ich gestern eines besseren belehrt. Richard O’Briens Musical ist Kunst um der Kunst willen, Musik um der Musik willen und Inszenierung um der Inszenierung willen. Und diese drei Aspekte zusammen lösen in dem Zuschauer eine Euphorie aus, welche eine West Side Story nie entfachen könnte. Der skandalöse Fakt, dass die Rocky Horror Show bei der Uraufführung in den 70ern am Broadway und bei den Tony Awards fast komplett übergangen wurde, zeigt letztendlich nur, wie weit die Darstellung seiner Zeit voraus war. Männer in Strapsen, Aliens mit Laserkanonen, angedeuteter Oralsex auf der Bühne und stets eine Prise Selbstironie verstören und unterhalten bei dieser cineastischen Persiflage gleichermaßen. Getreu dem Opening Song: Science Fiction / Double Feature. 






Um was es in der Rocky Horror Show letztendlich genau ging, haben wir auch nach längerer Diskussion immer noch nicht so wirklich verstanden, aber dafür gibt es schließlich ja Wikipedia. Und wem stört es, machte doch die extravagante, unterhaltsame und zum mitmachen einladende Inszenierung all das wett. Die Interaktion mit dem Publikum und das zeitweise Durchbrechen der vierten Wand reißt sogar den größten Musical-Muffel aus dem gepolsterten Sessel der Gleichgültigkeit. Ganz zu schweigen von der schier nie enden wollenden Ausdauer und Lust am Spiel der Akteure, auch wenn zumindest mir diese Übermenschlichkeit aus Tanz, Gesang, Schauspiel und gutem Aussehen der Musicaldarsteller Ehrfurcht einflößt. Ich komm aber nicht umher meinen überaus schicken Zeitungshut vor dieser grandiosen Leistung zu ziehen. 





Um 22:30 Uhr verlassen wir schließlich die Show. Immer noch mit Konfetti im Haar und mit Tou Tou Tou Tou Tou Tou Touch Me im Ohr. Wir waren uns alle einig, dass wir noch nie etwas Vergleichbares erlebt hatten und tanzten gleichzeitig weiter die Choreografie zu Time Warp. Es ist schließlich just a jump to the left ... and then a step to riiiiiight! Ich kann euch nur alle raten, nehmt die Möglichkeit war die Rocky Horror Show einmal live zu erleben. Wann und wo auch immer. Die Münchner haben zumindest die Chance jeden Freitag und Samstag Abend den Film im Museum Lichtspiele zu bestaunen. Wir werden diese Möglichkeit definitiv irgendwann wahrnehmen. 

Let’s do the time warp again!

Sonntag, 15. März 2015

ZehnGrammLeben - #5 Sonnenaufgang vs. Sonnenuntergang


Man kann über die banalsten Fragen diskutieren. Vor allem wenn man nichts anderes zu tun hat und einem gerade der Kompass für das Leben fehlt. Und ähnlich wie die Frage nach dem halbvollen oder halbleerem Glas, disputierten neulich eine Freundin und ich darüber was schöner ist: Sonnenaufgänge oder Sonnenuntergänge. 

In die Gewichtung miteinbezogen wurden Farben, Licht, Sexappeal, Romantik und Symbolik. Gut, Letzteres aber auch nur, weil ich immer allem ein Bedeutung zumessen muss. Und an dieser Stelle sei verraten, dass ich vehement die Seite der Sonnenaufgänge bezogen habe. Sonnenuntergänge sind doch total Mainstream und sowieso nur eine Erfindung Hollywoods. Aufgänge sind hingegen ein symbolisches Abbild all dessen, was man auf sich nehmen musste um eben dieses Phänomen betrachten zu können. Sei es die Nacht die man mit Freunden komplett durchgefeiert hat oder seien es die 500 Höhenmeter, die man zurückgelegt hat, nur um die Sonne über den Gipfeln aufgehen zu sehen. Sonnenaufgänge sind die Wissenschaftsclubmitglieder in amerikanischen High Schools neben all den Quarterbacks und Cheerleadern: Es gibt sie genauso oft, nur beachtet sie keiner. Wie oft stehen wir morgens auf, recken unsere Hände gen Himmel und bemerken doch nicht vor lauter Sand in den Augen wie die Sonnenstrahlen über den Horizont kriechen. Irgendwann ist es dann halt hell. 




Natürlich verstehe ich aber auch die Faszination von Sonnenuntergängen. Stehen sie doch für alles Vergangene, für alles hinter sich Gelassene und für alle Wünsche und Sehnsüchte, die man unter Tags nicht verwirklich konnte. Und gerade in einer Zeit, in der man am besten schon vorgestern die Termine von übermorgen erledigt haben sollte ist dies ein wunderbarer Anker an dem man sich gerne festkrallt. Vor allem, weil man solche Anker immer mit Sommer, Meer und Sex am Strand verbindet ... und nicht mit Aufstehen, Kaffee und Arbeit! 




Trotzdem bin ich wohl genau wie bei dem Glas ein grenzenloser Optimist, sehe in den Dingen lieber den Anfang als das Ende und genauso wie in jedem Film und in jeder Serie fiebere ich für die Nerds, für die Außenseiter für die Randgruppen. Ob Aufgang oder Untergang ist daher vielleicht nicht die entscheidende Frage, sondern eher was von den beiden dein persönlicher Außenseiter des Tages ist. Und wenn wir mal ehrlich sind: Letztendlich ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Phänomenen auch nur die Himmelsrichtung.  Und dafür braucht man schließlich auch einen Kompass. 

Montag, 2. März 2015

ZehnGrammLeben - #4 Die enorme Langeweile der Unentschlossenheit

Gerade in diesem Moment befindet sich eine Freundin von mir in Australien: Work & Travel nach dem Studium. Wiederum eine andere überlegt gerade, ob sie nach ihrem nun bestandenen Master noch nach Mexiko reisen soll, oder doch ein Job Angebot annimmt. Und ein Kumpel und Kommilitone von mir will nach Beendigung des Studiums erst einmal eine Weltreise machen, weil ... ja ... wieso eigentlich?

Warum quält sich meine Generation seit dem Verlassen des Elternhauses durch eine grenzenlose Unterforderung und Langeweile? Und wieso sitze ich hier daheim und schreibe Bewerbungen für ein Praktikum, wenn ich doch auch endlich Mal meinen Traum einer Amazonasreise verwirklichen könnte?




Nun will ich natürlich niemandem seine Wünsche streitig machen. Solche Erfahrungen sind anscheinend heutzutage essentiell notwendig, um mit sich selbst und der Umwelt ins Reine zu gelangen. Ich frage mich nur, in welcher Gesellschaft wir uns mittlerweile befinden, in der wir mit 25 ein abgeschlossenes Masterstudium mit 1,x haben und danach erst einmal eine Weltreise unternehmen müssen, um vor der Wahrheit zu fliehen, dass wir nicht wissen, was wir jetzt damit anfangen sollen. Eine Unternehmung, die unsere Eltern übrigens immer als großes Lebensziel angegeben haben. Nun lautet die obligatorische Antwort auf diesen Standpunkt meist, jetzt könne man so etwas schließlich noch genießen, und später mit 70 und in Rente nicht mehr.

Und dieses Argument hat auch durchaus nachvollziehbare Gründe, wissen wir doch nicht ob wir die Rente überhaupt noch miterleben werden im Jahre 2060. Doch ändert dies doch nichts daran, dass wir vor unbegrenzten Bergen an Möglichkeiten stehen, mit erstklassigen Qualifikationen und sich trotzdem keine Zufriedenheit einstellen will.




Ich bin ein Mensch, für den ist Zufriedenheit gleich Glück, weswegen ich der Meinung bin, dass sich langfristiges Glück nicht mit einer globalen Übersprunghandlung lösen lässt. Von unseren Eltern wurde uns eingebläut, man könne alles haben was man will, wenn man nur genügend lernt und fleißig ist. Und natürlich sagen unsere Eltern das, war es doch bei der ersten Nachkriegsgeneration genau so. Aus dem Nichts anfangend, wurden die privaten Ziele unserer Eltern niedrig angesetzt und somit auch erreicht. Wie frustrierend ist es aber nun für uns, wenn wir genau mit dieser Prämisse durchs Leben gehen. Wir waren in Afrika, in Japan, am untersten Zipfel Südamerikas und doch haben wir noch keines unserer Ziele zur Zufriedenheit im Leben erreicht, weil sie schlicht und einfach viel zu hoch angesetzt werden.

Frei nach dem Motto: Da stehst du nun du armer Tor, und bist so gelangweilt wie zuvor.

Randnotiz: Ich habe fürchterliche Angst vor Schlangen! Und die Generation Y hat fürchterliche Angst davor, etwas zu Verpassen. Nun ist es aber so, dass man jede Angst heilen kann, zum Beispiel durch Konfrontation. Und genau deswegen geh ich das Risiko sowie die Konfrontation ein und besuch den Amazonas erst im Jahr 2060. Dort gibt es übrigens auch Schlangen! Wer weiß ob es funktioniert, aber im Moment ist mir Glück wichtiger.  

Donnerstag, 26. Februar 2015

ZehnGrammLeben - #3 Der Café Latte des Egoismus

Es ist es ja schon schwer genug geworden, sich im nächstgelegen Coffee – Shop für einen Kaffee zu entscheiden, bietet einem doch die stets nette Verkäuferin neben Kaffe, noch Latte und Cappuccino an, „to go“ oder „to hier drink“, mit Sojamilch und entkoffeiniert oder wahlweiße mit Haselnuss-, Vanille-, Karamell-, Macadamianuss- oder Sonnenbankflavour. Und dann wird von uns auch noch verlangt, dass wir uns genau für eine Sache entscheiden, und das innerhalb von 10 Sekunden, denn schließlich wartet schon der nächste Kunde direkt hinter einem. Und während man überlegt, ob man jetzt einen Soja Latte Macchiato mit Vanillearoma und extra Schaum will, oder doch nur einen Milchkaffee, wäre es optimal sich gleich noch für eine politische Partei zu entscheiden, Bafög zu beantragen, im Englischen Garten zu laufen, und für die Prüfungen lernen. 




Gut vielleicht nicht alles auf einmal, schließlich kaufe ich mir den Kaffee ja genau zu dem Zweck, um endlich mal eine Pause zu machen. Doch scheint es so, als sei momentan keine Zeit mehr dafür, so egoistisch zu sein, wie wir gerne wollten. Schließlich muss ich doch bedenken, welche Konsequenzen meine fortreichenden Handlungen haben, und sei es nur ein kleiner Besuch im Coffeeshop. Jeder weiß, dass diese Überlegung eigentlich Quatsch ist, doch wenn ich genau in dem Moment, in dem ich eigentlich nichts mache, nur noch daran denken kann, was ich eigentlich machen sollte, läuft doch irgendwas falsch. 

Sind wir also dazu verdammt, unser jetziges Leben generell als zu langweilig anzusehen, und sich in den Alltag unserer Mitmenschen zu verlieben? 

Man ertappt sich doch ständig bei dem Gedanken, wie geil es doch wäre, so zielstrebig wie der Nachbar, so sportlich wie der Cousin oder manchmal auch so faul wie sein Sitznachbar zu sein. Gleichbedeutend mit der Frage, warum ich denn so bin wie ich bin, und wie ich das schnellstens ändern kann. Vor allem dann, wenn man eigentlich sowieso nicht weiß was man in Zukunft machen will, und plötzlich das Leben anderer ganz attraktiv und erstrebenswert erscheint, weil die zahlreichen Wahlmöglichkeiten die ich habe, mich zu sehr verwirren. Es ist doch deswegen vollkommen legitim, dass ich aus Überforderung deswegen kurz „Copy and Paste“ drücke, und mir meine eigene Gegenwart „guttenberge“.

 Das Problem an der ganzen Sache ist, dass man davon schnell ermüdet, weil man sehr bald feststellt, dass die gewählten alternativen Lebensweisen – im wahrsten Sinne des Wortes – doch gar nicht zu einem passen. Ich muss nicht Slacklinen weil’s grad so cool ist oder reisen, obwohl ich Flugangst habe. Und außerdem, denkt sich der Nachbar, der Cousin oder der Sitznachbar genau das Gleiche, und wünscht sich gerade selber eine viel krass tollere Persönlichkeit. 
 Irgendwann kommt man dann zu den Punkt an dem man dann alles voll scheiße findet, was andere machen, obwohl man es eigentlich voll geil findet, und nur deswegen scheiße findet, weil man es selber nicht macht. Vielleicht ist das aber genau dann der Zeitpunkt, an dem man einfach mal egoistisch sein sollte, ohne drauf zu achten, wie es nach außen wirkt. Und ja, man steht immer noch vor zahlreichen Weggabelungen voll unbegrenzter Möglichkeiten, die man einschlagen könnte. Aber verdammt, ich geh einfach nächstes Mal in den Coffee Shop und bestell mir einen „Chai Latte Grande special flavour mit Zimtpulver“, weil ich einfach gerade Bock drauf habe. 




 Es mag zwar banal sein, aber wenn ich nicht einmal aus freien Stücken einen Kaffee bestellen kann, wie soll ich dann selbstständig durch mein Leben gehen? Und auch wenn ich mich wieder dabei ertappe, die Arbeit der stets netten Bedienung als erstrebenswert anzusehen, kann ich trotzdem zufrieden durch die Straße gehen. Denn sie wünscht mich wahrscheinlich gerade zum Teufel, weil der „Chai Latte Grande special flavour mit Zimtpulver“ so viel Arbeit gemacht hat. Aber hey, wenn sie mir schon so viele Möglichkeiten anbieten, dann sind sie selber schuld. Und außerdem, habe ich einen „Chai Latte Grande special flavour mit Zimtpulver“ und sie nicht. Also passt auf, euer nächster Kaffee könnte Spuren von Zufriedenheit enthalten.

Dienstag, 17. Februar 2015

ZehnGrammLeben - #2 Kölle Alaaf

Ja liebe Freunde. Ich hab’s getan! Ich war tatsächlich in Köln zu Karneval bzw. Fasching ... oder wie auch immer ihr es in eurem Breitengrad nennen wollt. Menschen, die mich nun schon länger kennen, werden vor Erstaunen und Verwunderung die Hand symbolisch an die Stirn klatschen. Aber haters gonna hate, ich bin halt Masochist.


Aber von vorne! Wenn man schon hört, dass sogar eingefleischte Kölner manchmal die Stadt wegen des hohen Stressfaktors zur närrischen Zeit verlassen, dann fragt man sich doch, was man selber dann dort überhaupt soll. Aber man soll ja bekanntlich nicht mit Steinen werfen, wenn man ...  naja ... Münchner ist ... und ein Oktoberfest vor der Haustür hat, dass dem HassLiebe - Faktor des Kölner Karnevals in etwa gleich kommt.
Also rein ins Kostüm, raus auf die Zülpicher Straße und weg mit der Schamgrenze, es kennt dich ja sowieso keine dort. Und an dieser Stelle muss ich dann doch nochmal betonen, dass wir so ungefähr das beste Gruppenkostüm ever hatten: Peeta, Katniss und Effie aus den Hunger Games! Again: Haters gonna hate.



Ich gebe zu, bisher nur eine Nacht auf dem Kölner Karneval erlebt zu haben, und Respekt vor all denen, die das seit Donnerstag schon durchziehen. Aber ich gebe auch gerne zu, dass ich angenehm überrascht war. Und seien wir doch mal ehrlich: Kostümierte Menschen, Bier, Traditionelle Musik und Helene Fischer, sowie eine Stadt in Dauerekstase. Parallelen zu etwaigen anderen deutschen Großveranstaltungen liegen da auf der Hand. Aber - und jetzt kommt es – es macht halt einfach Spaß. Sofern man die richtigen Menschen um sich hat und man gut darin ist Lipsyncing zu Kölner Karnevalsliedern zu betreiben.
 Und Tradition ist Tradition und das will ich dem Karneval hier definitiv nicht absprechen. Schon alleine wegen den glücklichen Kindern mit deren Bonbons in der Hand während des Umzuges. Also streckt eure Arme in Luft und schreit nach Kamellen, denn im Leben regnet es viel zu selten Süßigkeiten. Die Fastenzeit kommt früh genug.



Montag, 16. Februar 2015

ZehnGrammLeben - #1 TGIF

Es gibt eine wesentliche Sache die sich in den letzten Jahren in meinem Leben verändert hat, und das ist die Spontanität: Sie wurde weniger.
Entweder liegt es an der Aktionsgezwungenheit der Mittzwanziger oder aber an dem viel zu unkonstant durchgeplanten Leben eines Studenten. So lag ich vor 4 Jahren noch gemütlich abends in meinem Bett, sah fern und fühlte mich wohl dabei. Irgendwann zwischen Auslandssemester und Torschusspanik am Ende des Studiums meinte ich aber dann, dies sei reine Zeitverschwendung. Man müsse ab sofort das Leben genießen und jeden Abend in Superlativen erleben, bis ich irgendwann ganz vergessen habe, wie schön sich Spontanität anfühlt.


Bis letzten Freitag. Nach einem Kaffee mit Freunden in der Uni ging es spontan weiter in den wunderschönen Englischen Garten auf einen Spaziergang. Dann wollte ich eigentlich Heim. Eigentlich ... Am Ende saß ich doch wieder in der Wohnung einer Freundin bei Speis und Trank. Und das war auch gut so! Denn ansonsten hätte ich vielleicht den darauf folgenden idyllischen Sonnenuntergang am Monopteros verpasst ... oder die spontane Fahrt nach Riem ... oder das spielen mit Legos im Legoladen ... oder die zwei Filme die wir bis spätnachts noch geschaut haben.



Ich will hiermit nicht sagen, dass man nur noch in den Tag hinein Leben sollte. Meiner Erfahrung nach funktioniert das nicht, vor allem weil man nicht einfach so aus seiner Haut fahren kann. Aber hier und da, ab und zu und von Zeit zu Zeit ist so ein Tag der Spontanität notwendig! Und sei es nur um sich wieder in Erinnerung zu rufen, wie jung man sich mal dabei gefühlt hat, mit 14 an der Tür des besten Freundes zu klopfen hat und zu wissen: Heute wird ein guter Tag!